Deutsche Vulkanologische Gesellschaft e.V., Mendig |
||||||
| Startseite | Verein | Termine | Links | |||
Finale am Eppelsberg
Eine melancholische Betrachtung von Eyke Michael
![]() |
Mittwoch, der 29. Juli 2009. Ich bin von Plaidt aus auf dem Weg über die B 256 zum Römerbergwerk Meurin. Eine Pfadfindergruppe erwartet mich dort, um an einer Führung teilzunehmen. Wie so oft genieße ich während der Fahrt den grandiosen Blick auf die Laacher See Vulkangruppe, als plötzlich eine riesengroße, gelbgraue Wolke über dem Eppelsberg aufsteigt. Ich denke an eine Sprengung, aber nein – im Eppelsberg gibt es nichts mehr zu sprengen. Der Abbau dort geht seinem Ende entgegen. Neugierig und beunruhigt mache ich mich nach der Führung auf den Weg zum Eppelsberg, um der Ursache der eruptionsartigen Wolke auf den Grund zu gehen.
Zusammenbruch der Ostwand |
![]() |
Immer wieder wehen gelbe Staubwolken aus dem Steinbruch. Dann sehe ich die Ursache: Tonnenschwere Abbrüche an der hohen Ostwand donnern in die Grube hinunter genau an der Stelle, die den Eppelsberg so bemerkenswert und bekannt werden ließen – über den Abrutschungen des Maarbodens. Bis auf eine kleine Stelle sind die Abrutschungen überdeckt von der gelben Schuttlawine. Von Süden reicht die fortschreitende Verfüllung der ausgebeuteten Grube bis an die markante gelbrote Maarbodenschicht heran. Die Luft ist voller Staub, den man auf der Zunge schmeckt.
Verschüttete Maarabrutschungen an der Nordwand |
![]() |
Traurig hängt der ehemalige Sperrzaun, der die obere Kante der Ostwand sicherte, in der Wand herunter. Ein absolut trostloser Anblick! Der Eppelsberg stirbt.
Herabgestürtzter Zaun an der Ostwand
Da der Vulkanpark den Eppelsberg wegen der fortschreitenden Abbautätigkeit im südwestlichen Bereich nicht mehr für Führungen anbietet, bin ich einige Wochen nicht am Eppelsberg gewesen, den ich ja seit 1971 beobachte und immer wieder fotografiere. Viel hat sich inzwischen in der Südwestecke, dort wo früher das kleine Fichtenwäldchen stand, getan.
|
![]() |
Der 2007 aufgetauchte Lavastrom aus der Heidekopfgruppe oder aus dem Eppelsberg (wer wird es nun jemals genau untersuchen können ?) ist bereits wieder durch die Verfüllung verdeckt. Davor ist die Lava über 8 Sohlen bis auf den ursprünglichen Talboden ausgebeutet. Der Abbau dort ist seit kurzem bereits wieder eingestellt. Magmaspalte mit zwei Magmaadern
Es scheint, als ob die Betreiber der Grube den Vulkanologen eine allerletzte Chance einräumen wollten, um die Magmaspalte näher zu untersuchen, die im Frühjahr 2007 ans Tageslicht kam. Sie ist (vorsätzlich oder zufällig) weder vollständig abgebaut noch überschüttet worden und steht wie ein Naturwunder gut erhalten in der Wand. Da ich kein Wissenschaftler bin, darf ich ja mal mutmaßen, was sich hier vor gut 200 000 Jahren abspielte. |
![]() |
Ganz am Ende der Aktivitäten des Eppelsberges brach hier zeitnah zu den Eruptionen des Wehrer Kessels noch ein letztes Mal eine Spalte auf, die zunächst leicht nach Süden gerichtet den Maarboden (Phase 1 und 2) durchschlug und dann zu einer mäßigen Eruption führte. Der vierte Schlot war entstanden. Er förderte die umgebenden Laven und bedeckte den alten Maarboden. Durch diese Laven drang dann die zweite Magmaader am anderen Ende der gut sichtbaren Spalte, leicht nach Nord-West geneigt. Sie förderte einen kleinen Lavastrom. Darauf weist der inzwischen verschwundene Tunnel über der Magmaader hin. An der Außenseite des Kraterwalles floss die Lava zwischen Eppelsberg und Roterberg in westlicher Richtung. Durchschlag-Krater 4 |
![]() |
Kurz darauf brach noch einmal der Wehrer Vulkan aus und förderte die Gleeser-Tephra, die auch die obersten Schlacken des Eppelsberges überlagerte. Dies geschah so zeitnah, dass die Aschen aus dem Wehrer Vulkan mit in den Eppelberg Krater stufenförmig abrutschen, als dieser – sozusagen die letzte vulkanische Aktivität – in sich zusammenbrach. Die obersten Wehrer Schichten, die schwarze Ascheschicht aus einem Fremdvulkan und der darüber liegende Löss aus den folgenden Eiszeiten sind kaum bzw. gar nicht mehr abgerutscht. Die Schichten des Laacher See Vulkanes hingegen sind vollständig abgebaut. So endete die vulkanische Tätigkeit des Eppelsberges. Beendeter Abbau bis zur Basis Die Abbrucharbeiten werden in absehbarer Zeit eingestellt, weil der Vulkan vollständig ausgebeutet ist. So endet die Abbauzeit im Eppelsberg. Bald wird sich die Natur den Steinbruch wieder erobern und alles unter ihrem grünen Mantel verbergen. |
| © 2009 Eyke Michael, Text und Bild | |