Deutsche Vulkanologische Gesellschaft e.V., Mendig

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Wo schon Goethe mit Charlotte über Vulkane, Lava und Bimsgestein staunte

Zu Besuch in Mendig, am Laacher See und im Deutschen Vulkanmuseum

4 Milliarden in 

40 Minuten

 

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"Haben Sie Zeit für vier Milliarden Jahre Erdgeschichte?“ Museumsführer Heinz Lempertz grinst ein bisschen spitzbübisch, als er seinen Besuchern diese Frage stellt. „Keine Angst“, beruhigt er auch schon die Gäste, „wir schaffen das in vierzig Minuten“. Und tatsachlich: Sein Vortrag wird ein mit zahllosen Anekdoten aufgelockerter Schnellkursus über Vulkane, Lava und Bimsgestein. Schon der Dichterfürst Goethe staunte in Mendig über die Zeugnisse einer regen Vulkantätigkeit. Eine Gedenktafel am Hotel Laacher See erinnert an den Besuch von Goethe in Begleitung des „Freiherrn von Stein“. Die Tafel verschweigt, so Lempertz, dass es sich keineswegs um den Freiherrn selbst handelte. Vielmehr war es dessen Gattin Charlotte, mit der Goethe fern von Weimar in den Rheinlanden fremd ging.

  Deutsches
  Vulkanmuseum

  Brauerstraße 5

  Tel: 02652/4242

  Fax: 02652/989774

  Mail:

  info@vulkanpark.com

 

Vulkanismus noch sehr jung

Was Johann Wolfgang und Charlotte in der Osteifel so fasziniert haben mag‘ lässt sich auch heute noch nachvollziehen. Der beste Ort, eine Erkundung der Vulkanwelt rund um den Laacher See zu beginnen, ist das private Deutsche Vulkanmuseum in Mendig. Im Sudhaus einer ehemaligen Brauerei ist eine umfangreiche Mineraliensammlung aufgebaut, die einen Überblick über das breite Spektrum der Vulkankunde gibt.

Der Vulkanismus in der Osteifel ist erdgeschichtlich gesehen noch sehr jung. Erst 13000 Jahre ist es her, dass sich der größte Vulkanausbruch Mitteleuropas ereignete. Damals entstand die riesige Caldera (Vulkankessel) des Laacher Sees. Mit einer Eruptionssäule von vierzig Kilo­metern Höhe hat der Vulkanausbruch die damals in der Umgegend lebenden Neandertaler in Angst und Schrecken versetzt. Meterdick haben sich Basaltlava und Bimsasche im weiten Umkreis abgelagert

Mendig auf dem Lavastrom

Mendig liegt mitten auf dem abgekühlten Lavastrom des Wingertsberg-Vulkans, der schon etwas früher, vor 200 000 Jahren, das Land mit Magrna und Asche überzogen hatte. Wer einmal mitten in einen solchen Strom erkalteter Magma hineingehen möchte, braucht am Vulkanmuseum nur 148 Treppen in die Unterwelt hinabzusteigen. Ganz Mendig ist unterhöhlt, weil seit Jahrhunderten Bergleute das wertvolle Lavagestein ans Tageslicht geschafft haben. Zu Mühlsteinen, Bausteinen, Platten und Rohmaterial für Bildhauer wurde das blasige Gestein verarbeitet. Noch heute zeigen viele Mendiger Häuser den grau-schwarzen Lava-Look.

Lavahöhlen

Die Lava ist in mächtigen, sechseckigen Säulen erstarrt. Immer wieder ließen die Bergleute einige dieser Säulen stehen, die das Deckgebirge halten. Es entstanden weiträumige Höhlen, für die bald ein ganz anderer Verwendungszweck entdeckt wurde. Da es im vorigen Jahr­hundert noch keine Kühlmaschinen gab, wurde im Sommer das Bier schnell schlecht. Nur in Mendig gab es auch im heißesten Sommer gutes Bier. Und das hatte mit den Lavahöhlen zu tun.

Bier im Lavakeller

Als erste nutzte die Herrnhuter Brudergemeine, eine evangelische Religionsgemeinschaft, die Felsenkeller, um Bier bei der immer gleichbleibenden Temperatur von sechs Grad Celsius zu lagern. 1842 errichteten die Herrnhuter sogar eine unterirdische Brauerei in den Lavagewölben, deren Überreste Museumsführer Heinz Lempertz seinen Gästen zeigt. 1911 musste „die einzige evangelische Brauerei des Rheinlandes“ ihren Betrieb einstellen, insgesamt 28 Brauereien haben im vergangenen Jahrhundert in Mendig gearbeitet.

Im Winter sind die Bierhöhlen nicht zugänglich. Dann dienen sie als Ruhequartier für die größte Fledermauskolonie in Rheinland-Pfalz. Nur wenige Schritte vom Vulkanmuseum entfernt liegt die Mendiger Museumslay. Am Eingang ist eine alte Grubenbahn aufgebaut, im Hintergrund steht ein Drehkran, wie er in den Tagebaugruben gearbeitet hat.

Zahlreiche Werkzeuge geben eine Vorstellung davon. wie Pflastersteine und Mühlsteine bearbeitet werden. Wer Glück hat, kann dem Bildhauer Werner Geilen dabei zusehen, wie er eine neue Figur aus dem Stein heraus meißelt. Der „steinreiche Künstler hat hier sein Atelier.

Die Vulkane schlafen nur

Der Laacher See selbst verdankt seine Existenz dem Einbruch einer unterirdischen Magmakammer, die allerdings noch bei weitem nicht entleert ist. Bei seismologischen Messungen wurde nachgewiesen, dass sich noch heute in drei Kilometer Tiefe unter dem See ein Magma­gefüllter Hohlraum befindet. Am Ostufer des Sees sprudelt Kohlendioxid sozusagen als vulkanischer Gruß aus dem Erdinnern. Erloschen ist der Vulkanismus in der Eifel nicht. Die Vulkane schlafen nur, meinen die Wissenschaftler.

Der jüngste Eifelvulkan, das Ulmener Maar, ist erst vor 10 000 Jahren entstanden. Der Bochumer Vulkanologe Hans-Ulrich Schmincke meint, dass „wir in der allernächsten geologischen Zukunft viele Eruptionen von Schlackekegeln zu erwarten haben“.

Wie bald - das können die Experten allerdings nicht voraussagen.
Autor Wolfgang Bartel aus DER WEG 38/1996