Kalender 2027
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Einleitung zum Kalender 2027
Die Mitglieder der DVG konnten im Jahr 2026 wieder Fotos aus verschiedenen Vulkangebieten der Welt auswählen, um den DVG-Kalender des kommenden Jahres mit zu gestalten. Zur Verfügung gestellt wurden die Bilder mit Erläuterungen diesmal von Vorstandsmitgliedern der DVG.
Wir zeigen auf dieser Seite alle dreißig Bilder, die zur Wahl standen.
Die Motive zeigen ganz verschiedene Aspekte des Vulkanismus, darunter wunderschöne Ausbrüche bei Nacht, Bildung von Schwefel an Fumarolen, aber auch den Untergrund oder landschaftliche Besonderheiten in mitteleuropäischen Vulkangebieten. Die eingereichten Fotos und kurze Erläuterungen hierzu finden Sie im Anschluss. Folgende Fotos wurden von den Mitgliedern für den Kalender ausgewählt und von der Kalenderredaktion den einzelnen Monaten zugeordnet:
Foto 04 = Januar - Thomas Walter: Eruption des Tajogaite, La Palma, am 13.11.2021
Foto 01 = Februar - Thomas Walter (Oktober 2024): Der Teide, Teneriffa, mit einer Drohne fotografiert
Foto 02 = März - Thomas Walter (Februar 2020): Schwefelfelder von Lastarria, Chile, 5000 m ü NN
Foto 14 = April - Lothar Viereck (September 2011): Bimslapilliband in schwarzen Lapillilagen, Teneriffa
Foto 20 = Mai - Anne Sturm (August 2025): Gjógv (Faröer): erodierter Dyke zwischen Basaltlaven als Hafen
Foto 22 = September - Helmut Endres (Oktober 2021): Ostwand des Eppelsbergs (bei Nickenich, Osteifel)
Foto 13 = Oktober - Lothar Viereck (Oktober 2014): Baum im rhyolithischen Cemilköy Ignimbrit, Kappadokien
Foto 24 = November - Helmut Endres (Oktober 2012): Basaltgang im Herchenberg (bei Burgbrohl, Osteifel)
Foto 1: Thomas
Walter
Oktober
2024
Der
Teide, Teneriffa, von oben mit einer Drohne fotografiert.
Der
„junge“ Teide erhebt sich markant über den alten Kraterrand der
Caldera auf Teneriffa. Sein heller Gipfelkegel kontrastiert mit den
dunklen, erstarrten Lavaströmen ringsum – ein eindrucksvolles
Zeugnis jüngerer vulkanischer Aktivität innerhalb einer viel
älteren Struktur. Rechts im Bild erkennt man die Bergstation der
Seilbahn, die Besucher bis nahe an den Gipfel bringt und einen
spektakulären Blick über die Landschaft und den Atlantik eröffnet.
Foto 2: Thomas
Walter
Februar
2020
Schwefelfelder
von Lastarria, Chile, in einer Höhe von 5000 m ü NN
Fumarolenfelder
am Lastarria-Vulkan in den Anden: Aus zahllosen Öffnungen entweichen
heiße Gase und Dampf, die den Boden in ein gelblich-weißes Mosaik
aus Schwefelablagerungen verwandeln. Die bizarren Krusten und Schlote
entstehen durch auskristallisierenden Schwefel, der sich entlang von
Gaswegen absetzt und zu kleinen „Schwefelströmen“ anwächst. Der
ständig aufsteigende Dampf verhüllt zeitweise die karge
Hochgebirgslandschaft und zeigt, dass unter der Oberfläche weiterhin
intensive vulkanische Aktivität herrscht.
Foto 3: Thomas
Walter
Mai
2021
Vermessung
einer Gangintrusion am Eppelsberg in der Eifel mit LiDAR.
Aufschluss
am Eppelsberg (19.5.2021): In der steilen Wand schneidet ein
magmatischer Gang die geschichteten Vulkanablagerungen und hebt sich
als helleres, kompakteres Gestein deutlich ab. Die umgebenden Lagen
sind von kleinen Verwerfungen durchzogen, die die komplexe
tektonische Beanspruchung dokumentieren. Im Vordergrund steht ein
LiDAR-Scanner auf Stativ, mit dem die Struktur hochauflösend
vermessen wird. So lassen sich Geometrie des Gangs und Versatz
entlang der Störungen präzise erfassen. Inzwischen ist der
Aufschluss weitgehend unzugänglich und nur noch eingeschränkt
untersuchbar – umso wichtiger ist die wissenschaftliche
Dokumentation.
Foto 4: Thomas
Walter
November
2021
Wissenschaftliche
Untersuchungen Eruption von Tajogaite, La Palma, 13.11.2021
Nächtliche
Eruption des Tajogaite-Vulkans auf La Palma am 13.11.2021: Glühende
Lavafontänen schleudern rot-orange Funken in den Himmel und lassen
die Umgebung dramatisch aufleuchten. Im Vordergrund stehen
silhouettenhaft Wissenschaftler, die das Geschehen aus sicherer
Entfernung dokumentieren. Die Szene zeigt eindrucksvoll die Dynamik
eines jungen Vulkanausbruchs und die wichtige Arbeit der Forschung
vor Ort, die Prozesse misst und besser verständlich macht.
Foto 5: Thomas
Walter
August
2023
Lavaströme
auf Reykjanes, Island, als Tourismus-Attraktion
Frischer
Lavastrom auf Island am 4.8.2023: Dunkle, noch heiße Basaltbrocken
türmen sich zu bizarren Formen, während im Inneren glühende Lava
rot aufleuchtet und vereinzelt Flammen und Dampf austreten. Die
Oberfläche wirkt bereits erstarrt, doch darunter fließt das
Material weiter. Im Hintergrund stehen zahlreiche Touristen, die das
Naturschauspiel aus sicherer Entfernung beobachten und fotografieren.
Die Szene zeigt eindrucksvoll den Kontrast zwischen der rohen
vulkanischen Aktivität und der Faszination, die solche Ereignisse
auf Besucher ausüben.
Foto 6: Martin
Hensch
April
2010
Spalteneruption
am Eyjafjallajökull, Island
Nach
einem intensiven Erdbebenschwarm unter dem Eyjafjallajökull (Island)
im Winter 2009/2010 öffnete sich am 20. März 2010 eine
Eruptionsspalte am Fimmvörðuháls, an der Nordostflanke des
Eyjafjallajökulls, etwa 8 km entfernt vom Hauptkrater. Der Lavastrom
ergoss sich in ein unbewohntes Tal nach Norden. Der Spaltenausbruch
dauerte rund 3 Wochen und etwa 36 Stunden nach dessen Ende begann
eine explosive Eruption im Hauptkrater, die für die berühmte
Aschewolke sorgte, die wochenlang zu Störungen im Flugverkehr
führte.
Foto 7: Martin
Hensch
April
2010
GPS-Messgerät
beim Ausbruch des Eyjafjallajökulls, Island
GPS-Messgerät
auf der Sólheimaheiði, zwischen Mýrdalsjökull und
Eyjafjallajökull, Island. Im Hintergrund die berühmte Aschewolke
des Eyjafjallajökulls vom April 2010, die wochenlang den Flugverkehr
beeinträchtigte. GPS-Messungen dienen der Überwachung von
Bodendeformationen im Millimeterbereich und sind essenziell zur
Ermittlungen von Magmaintrusionen vor und während eines
Vulkanausbruchs. Neben der Erdbebenüberwachung liefern solche
Deformations-messungen wichtige Daten zur Frühwarnung.
Foto 8: Martin
Hensch
Juni
2010
Krater
des Eyjafjallajökulls nach dem Ausbruch, Island
Der
Krater des Isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, kurz nach Ende
des Aschewolkenausbruchs im späten Frühjahr 2010, aufgenommen
während eines Observationsfluges. Wo bis vor wenigen Tagen noch
tonnenweise Asche in die Atmosphäre ausgestoßen wurde, die
weiträumig zu Störungen des Flugverkehrs führte, steigt zum
Zeitpunkt der Aufnahme nur noch Dampf auf, der von der Interaktion
der abkühlenden Lava mit umliegendem Gletschereis herrührt.
Foto 9: Martin
Hensch
September
2014
Lavafontänen
des Holuhraunausbruchs, Island, am Tag
Lavafontänen
von bis zu 120 Meter Höhe schießen aus der Ausbruchsspalte in
Holuhraun, nördlich des Gletschers Vatnajökull, Island. Dem
Ausbruch voran ging eine mehrwöchige Magmaintrusion vom Vulkan
Bárðarbunga, die sich um rund 40 km vom Vulkan entlang des Rifts
nach Norden bewegte, bevor es zur Eruption kam. Mit einem
Ausbruchsvolumen von gut einem Kubikkilometer handelte es sich um den
größten Vulkanausbruch auf Island seit dem Lakiausbruch 1783/84.
Foto 10: Martin
Hensch
September
2014
Lavafontänen
des Holuhraunausbruchs, Island, bei Nacht
Lavafontänen
von bis zu 120 Meter Höhe schießen aus der Ausbruchsspalte in
Holuhraun, nördlich des Gletschers Vatnajökull, Island. Dem
Ausbruch voran ging eine mehrwöchige Magmaintrusion vom Vulkan
Bárðarbunga, die sich um rund 40 km vom Vulkan entlang des Rifts
nach Norden bewegte, bevor es zur Eruption kam. Mit einem
Ausbruchsvolumen von gut einem Kubikkilometer handelte es sich um den
größten Vulkanausbruch auf Island seit dem Lakiausbruch 1783/84.
Foto 11: Lothar
Viereck
November
2005
Säulige
Absonderung des gefritteten Sandsteins am Kontakt zu hangendem
Lagergang (Sill)
Im
Rahmen der German Antarctic North Victorialand Expedition im
antarktischen Sommer 2005/06 (GANOVEX IX) beprobten wir (Benjamin
Bomfleur, Uni Münster; Robert Schöner, Uni Jena; Jörg Schneider,
TH Freiberg und ich) von November 2005 bis Januar 2006 die intrusiven
Lagergänge (Sills) der etwa 183 Millionen Jahre alten Ferrar
Plateaubasalt Provinz und ihre triassisch-jurassischen sedimentären
Nebengesteine. Hier an der Lokalität Sequence Hills sieht man den
unteren (liegenden) Kontakt eines etwa 80m mächtigen andesitischen
Lagergangs, der Sandsteine thermisch so stark überprägte
(frittete), dass sie bei der anschließenden Abkühlung bis in 1,2 m
Entfernung vom Kontakt säulig absonderten. Die Säulen haben einen
Durchmesser von 25-30 cm. Die intern schräg geschichteten Sandsteine
sind primär rot gefärbt und sekundär gebleicht.
Foto 12: Lothar
Viereck
Januar
2006
Mount
Erebus
Mount
Erebus (3792 m), 77°31‘ S, ist der südlichste aktive Vulkan in
der Antarktis.
06.01.2006:
Aufgrund des Todes meines Schwiegervaters wurde ich im antarktischen
Sommer 2005/06 vor Ende der deutschen GANOVEX IX Expedition von der
US-amerikanischen Militärbasis McMurdo nach Christchurch in
Neuseeland ausgeflogen.
Der
aktive Vulkan Mount Erebus thront mit seinen 3794 m über McMurdo auf
der Ross-Insel. Er ist namengebend für die alkalibasaltische
Vulkangruppe, die sich seit ca. 40 Mio Jahren entlang des
Grabenrandes des Ross-Meeres zur Ostantarktis gebildet hat.
Lithologisch ästhetisch sind die schwarzen Auswürflinge mit
rhombischen Einsprenglingen von klarem Anorthoklas-Feldspat. Der
basanitische Mount Erebus besitzt seit 1972 einen dauerhaft aktiven
Lavasee aus Phonolith-Magma, dessen strombolianischen Eruptionen im
antarktischen Sommer 2025/26 von Alexander Gerst im Rahmen seiner
Doktorarbeit mittels Radarmessungen vom Kraterrand aus dokumentiert
wurden. Nachdem er einige Wochen in einer Hütte auf dem Kraterrand
übernachtet hatte, verließ er Antarctica mit demselben
Transportflugzeug wie ich.
Foto 13: Lothar
Viereck
Oktober
2014
Kappadokien
Ein
sehr bedürfnisloser Baum wurzelt im rhyolithischen Cemilköy
Ignimbrit, Kappadokien.
Der
Cemilköy Ignimbrit (Ign.) ist etwa 6 Millionen Jahre alt. Er. hat
ein Volumen von 300 km³ und ist mit einer mittleren Mächtigkeit von
ca. 30 m über eine Fläche von fast 9000 km² verbreitet. Der
unverschweißte weiße Ign. ist relativ asche-arm. Er ist einer von
12 Ignimbriten, die zwischen 11 und 3 Millionen Jahren eruptierten
und heute das Hochland von Kappadokien aufbauen. Von etwa 2000 - 2014
untersuchte ich diese Ignimbrite der Zentralanatolischen
Vulkanprovinz und die ihnen zwischengelagerten Paläoböden mit
meiner Doktorandin und meinen Diplomand*innen. Diese Provinz liegt
über einer Subduktionszone entlang derer der Ozeanboden des
Mittelmeeres subduziert wird. Die mafischen Magmen haben daher
basaltisch andesitische bis andesitische Zusammensetzung, die
Ignimbrite nahezu ausschließlich rhyolithische.
Foto 14: Lothar
Viereck
September
2011
Weißes
Bimslapilliband in schwarzen Lapillilagen, Teneriffa
Die
Touristenattraktion La Tarta (die Torte) liegt kurz außerhalb der
nordöstlichen Grenze des Teide-Nationalparks im unteren Bogen einer
S-Kurve der Straße TF-74 (Carr. de la Esperanza) vom Teide über den
nordöstlichen Rücken Teneriffas nach San Cristobal de La Laguna.
Die
Farbigkeit ergibt sich aus dem lagigen Aufbau der Tephra-Schichten,
die man grob zweiteilen kann: die unteren sind wenig differenzierte,
eher basaltische schlackige Lapillilagen, die bereits durch oxidative
Verwitterung und Bodenbildung braun gefärbt sind. Sie enden an einer
Diskordanz, auf der eine helle, schlecht sortierte Tufflage liegt.
Das
obere jüngere und weniger verwitterte Schichtpaket beginnt mit einer
homogenen schwarzen Lapillilage. Oberhalb einer Lage mit gröberen
Klasten ändert sich die Farbe zu grau. Die grauen Lagen werden
überlagert von einem weißen Band aus Bimslapilli, das im unteren
Teil homogener und grobkörniger ist als im geschichteten und durch
Verwitterung bräunlich gefärbten oberen Teil.
Die
Grenze zu den beiden oberen Lapillilage und zwischen ihnen sind im
Foto wegen des Schattenwurfs des jeweiligen Basislage nicht sichtbar.
Die untere der beiden Lagen ist unten dunkelgrau und enthält zum
Hangenden helle Tufflagen. Die oberste und mächtigste Lage des
Profils ist olivbraungraue, homogen körnig und besteht aus
schlackigen Lapilli.
Foto 15: Lothar
Viereck
August
2013
Svartifoss-Lavastrom
(Island)
Sekundäre
Überzüge auf Säulen des Svartifoss-Lavastroms im Skaftaffell
Nationalpark, Island.
Der
Svartifoss-Lavastrom ist berühmt für seine ebenmäßigen Säulen,
die in der Landschaft der Skaftafellsheiði eine Geländekante
bilden, über die der fotogene Svartifoss-Wasserfall stürzt. Abseits
des Wasserfalls sind die Säulen von senkrechten schwarzen und weißen
Belägen überzogen. Die schwarzen sind nass und klitschig, die
weißen sind karbonatisch. Die Klüfte zwischen den Säulen und die
Plateaus auf abgebrochenen Säulen werden von einer artenreichen
Pflanzenwelt als Standorte genutzt.
Sehr
schön sieht man im Abstand von einigen Zentimetern die
leitersprossen-artige Querrippen auf den Säulenflächen. Sie
belegen, dass die Säulenbildung durch Schrumpfung nicht
kontinuierlich, sondern in Sprüngen von der Oberfläche in den
Lavastrom hinein erfolgte.
Foto 16: Anne
Sturm
August
2017
Torfajökull,
Island
Hydrothermal
alterierte Rhyolithberge im Torfajökull-Gebiet im Hochland
Südislands, nördlich des Myrdalsjökull-Gletschers. Torfajökull
besitzt bimodalen Vulkanismus: Neben den für Island typischen
Basaltvorkommen ist das Vulkansystem auch durch sehr SiO2-reiche
Gesteine, Rhyolithe und Trachyandesite, gekennzeichnet. Neben einer
Caldera besteht der Rhyolithkomplex aus Domen, Tephraablagerungen und
wenigen Lavaströmen. Ein extrem zähflüssiger Obsidianlavastrom
erstreckt sich ins Tal bis zum Geothermalgebiet bei Landmannalaugar.
Foto 17: Anne
Sturm
August
2017
Torfajökull,
Island
Hydrothermal
alterierte Rhyolithberge im Torfajökull-Gebiet im Hochland
Südislands, nördlich des Myrdalsjökull-Gletschers. Torfajökull
besitzt bimodalen Vulkanismus: Neben den für Island typischen
Basaltvorkommen ist das Vulkan-system auch durch sehr SiO2-reiche
Gesteine, Rhyolithe und Trachyandesite, gekennzeichnet. Neben einer
Caldera besteht der Rhyolithkomplex aus Domen, Tephraablagerungen und
wenigen Lavaströmen. Ein extrem zähflüssiger Obsidianlavastrom
erstreckt sich ins Tal bis zum Geothermalgebiet bei Land-mannalaugar.
Foto 18: Anne
Sturm
August
2017
Hekla,
Island
Stratovulkan
Hekla, im Süden Islands, nördlich des Vatnajökull-Gletschers.
Hekla ist einer der aktivsten und historisch bedeutenden Vulkane
Islands. Durch zahlreiche Eruptionen aus einer Gipfelspalte hat sich
die längliche Form des Stratovulkans gebildet. Die Ausbrüche der
Hekla sind bimodal: Eine Ausbruchs-phase beginnt oft plinianisch,
zahlreiche großflächige Tephrenablagerungen (Andesite, Dazite)
wurden so produziert, die zur Korrelation genutzt werden. In der
Spätphase einer Eruption bilden sich zudem intermediäre bis
basaltische Lavaströme. Typische Bimsablagerungen der Hekla im
Vordergrund des Bildes.
Foto 19: Anne
Sturm
August
2025
Wasserfall
Múlafossur bei Gasadalur (Faröer) über Wechselfolge aus
Basaltlaven und Tuffen
Der
30 m hohe Wasserfall Múlafossur an der Westküste der Insel
Vagar bei Gasadalur (Faröer) stürzt über mehrere Wechsellagen aus
Basaltlava und Tuffen, die vor etwa 55 Millionen Jahren eruptiert
sind. Im unteren Bereich der Steilküste gibt es außerdem
rotbräunliche Lage zwischen diesen Einheiten: diese Paläoböden
deuten auf ein warmes Klima zur Zeit des Vulkanismus hin.
Foto 20: Anne
Sturm
August
2025
Erodierter
Dyke zwischen Basaltlaven formt den Naturhafen in Gjógv (Faröer)
In
Gjógv befindet sich eine ca. 200 m langer Spalte, die das
Zusammenspiel von Geologie und Küstengeomorphologie widerspiegelt:
Die heutigen Klippen bestehen aus verwitterungsbeständigen
Basaltlaven. Im Bereich der Spalte hat sich einst ein vulkanischer
Dyke befunden, heute noch erkennbar an den horizontal gelagerten
Säulen am Grund der Bucht. Durch Küstenerosion wurde der leichter
erodierbare Dyke abgetragen, die dadurch entstandene Spalte dient
heute als natürlicher Hafen.
Foto 21: Helmut
Endres
Juni
2013
Castellfollit
de la Roca (Garrotxa, Spanien)
Das
Vulkangebiet der Garrotxa liegt in der Nähe von Olot in der Provinz
Girona in Spanien. Das Dorf Castellfollit de la Roca wurde auf einem
ca. 50 m hohen Plateau aus Basalt errichtet, das offenbar aus
mehreren Lavaströmen aufgebaut ist. Wann diese Lavaströme
entstanden sind, ist dem Autor nicht bekannt. Allgemein zeigt das
Vulkangebiet der Garrotxa einen Bezug zur Eifel: Auch in der Garrotxa
gilt der dortige Vulkanismus als inaktiv, aber nicht erloschen. Der
letzte Vulkanausbruch geschah vor ca. 10.000 Jahren.
Foto 22: Helmut
Endres
Oktober
2021
Ostwand
des Eppelsbergs (bei Nickenich, Osteifel)
Wer
kennt ihn nicht, den komplex aufgebauten Eppelsberg bei Nickenich,
einen der interessantesten vulkanischen Aufschlüsse der Osteifel?
Das besondere an diesem Foto: das intensive Nachmittagslicht, das
nach Abzug eines Schauers auf die auffallend strukturierte Ostwand
der Abbaugrube fällt. Der Vulkan entstand vor etwa 230.000 Jahren in
fünf unterschiedlichen Eruptionsphasen. Der Ausschnitt des Fotos
setzt unten links bei Phase drei an, der Hauptschlackenkegel-Phase.
(Darunter liegen, hier nicht sichtbar, Tephraschichten zweier
initialer phreato-magmatischer Phasen.) Diese wird beendet mit einer
Explosion, die zu der dünnen hellen Schicht über dem Schlackenkegel
führt. Diese trennt die Schlacken von der markanten Schicht
schwarzer Lapilli, wohl eine Folge der Eruption einer besonders
gasreichen Schmelze. Die hierauf liegenden sogenannten „bunten
Schichten“ aus Aschen- und Lapillituffen, die den (wieder
weitgehend phreatomagmatischen) Abschluss der
Eppelsberg-Eruptionsfolge darstellen, sind auf dem Foto leider durch
herab gefallenes Geröll weitgehend verdeckt. Darüber lagern
Tephraschichten von Eruptionen zweier anderer (unbekannter) Vulkane
in der Nachbarschaft des Eppelsbergs. Besonders bemerkenswert:
zwischen den beiden auffallend hellen Bändern liegen dünne
Lapillischichten mit schräg stehenden länglichen Hohlräumen: die
Hohlformen von Bäumen, die hier zum Zeitpunkt dieser Eruption
wuchsen (linke Bildhälfte in der Mitte). Nach weiteren Lapillilagen
folgt (rechte Bildhälfte oben) der Anschnitt einer schwarzen
Lapillilage, welche die darunter liegenden Schichten diskordant
schneidet: Anzeichen von Erosion zwischen den betreffenden
Eruptionsereignissen.
Foto 23: Helmut
Endres
März
2014
Erpeler
Ley gegenüber Remagen
Die
Erpeler Ley ist einer der markantesten vulkanischen Aufschlüsse im
Mittel-rheintal auf der rechten Rheinseite gegenüber Remagen. Sie
wird üblicherweise als „Basaltfels“ bezeichnet, könnte aber
genauer als Nephelin-Basanit eingeordnet werden, dem ein Alter im
Bereich 27 – 28 Millionen Jahren zugeschrieben wird. Bemerkenswert
sind die unterschiedlichen Säulenstrukturen dieses Komplexes, die
auf mehrere Intrusionsschübe frischen Magmas in bereits erstarrtes
Vulkangestein zurückzuführen sind. Alexander von Humboldt sah in
diesem komplexen Säulen-gemenge einen Beleg für eine neptunistische
Entstehung dieser Struktur. Freige-legt wurde sie ursprünglich durch
die Erosion des sich einschneidenden Rheins und später durch
bergmännischen Abbau, der bis zur Römerzeit zurückreicht.
Foto 24: Helmut
Endres
Oktober
2012
Basaltgang
im Herchenberg (bei Burgbrohl, Osteifel)
Der
Herchenberg entstand in zwei Eruptionsphasen mit zwei
Eruptionszentren. Diese Eruptionsphasen sind durch einen langen
Zeitraum getrennt, der zwei Kaltzeiten und zwei Warmzeiten umfasst
haben soll. Durch den weitgehenden Abbau sind die Hinweise hierauf
inzwischen verloren gegangen. Heute präsentiert sich der Herchenberg
als Grube, in der unterschiedliche Lapillilagen aus der letzten
Eruptionsphase aufgeschlossen sind, die sich hinsichtlich Körnung
und Farbe deutlich unterscheiden. Der Abbau enthüllte ein System
dreier Fördergänge, die radial vom Schlot ausgehen. Das Foto zeigt
einen hiervon, der noch innerhalb der schwarzen Lapillischichten
endet. Zu einem Lavastrom hat er also nicht geführt. Das Foto
entstand 2012, als diese Struktur vom Grubenrand aus noch gut
sichtbar war (die Grube selbst ist nicht zugänglich). Aufgrund
weiteren Abbaus ist sie nun deutlich schlechter zu erkennen.
Foto 25: Helmut
Endres
April
2014
Tuffhöhlen-Wohnungen
in Uchisar (Kappadokien)
Die
Landschaft in Kappadokien (Türkei, Zentralanatolien) ist geprägt
durch das Wechselspiel vulkanischer (Tuff-)Ablagerungen und Erosion.
Der Vulkanismus in diesem Gebiet steht im Zusammenhang mit der
alpidischen Orogenese und der Auffaltung des Taurusgebirges. Sein
Höhepunkt lässt sich in die Übergangszeit von Pliozän zu
Pleistozän einordnen. Er setzt sich aber bis in geschichtliche Zeit
hin fort. Bei diesen Eruptionen wurden neben Lava auch große Mengen
Aschen über ein Gebiet von ca. 10.000 km² verteilt. Je nach
Zusammensetzung verdichteten sich diese Aschen zu Tuffen
unterschiedlicher Härte bzw. Erosionsbeständigkeit. Zyklen von
Eruption und Erosion wechselten sich ab und formten die
Landschafts-strukturen, die wir heute in Kappadokien vorfinden. Eine
harte Tuffschicht leistet der Erosion zunächst Widerstand. Wird sie
aber schließlich durchbrochen und die Erosion kann darunter liegende
weichere Schichten ausräumen, bilden sich bizarre Kegelstrukturen
aus Tuffgestein. Menschen nutzten diese Kegel aus diesem leicht zu
bearbeitendem Material, um darin Höhlen für Wohnungen auszugraben.
Die auf dem Foto gezeigten Wohnkegel in Uchisar bilden ein Beispiel
hierfür und einen touristischen Anziehungspunkt. Manche der
Höhlenwohnungen werden immer noch – oder sogar wieder – als
Wohnungen oder als Hotelunterkunft genutzt.
Foto 26: Kerstin
Bär
Mai
2025
Alte
Burg bei Schotten mit Basaltsäulen (Vogelsberg)
Die
Alte Burg bzw. der Alteburgkopf südlich der Stadt Schotten im Hohen
Vogelsberg war auch früher schon ein beliebtes Ausflugsziel. Heute
liegt sie an mehreren Wanderwegen, zu denen auch die VulkanTouren 3
und 4 gehören, die am Vulkaneum starten. Dicke Basaltsäulen, die
über einen Meter Durchmesser erreichen, sind an mehreren Stellen
entlang einer zu finden. Sie passen gut in das klassische Schema
senkrechter Klüfte, die sich in einem Lavastrom
beim Abkühlen bilden. Der Lavastrom muss daher mächtiger gewesen
sein, als die Felsen hoch sind. An vielen Stellen sind die Säulen in
Böcke zerfallen, wie das bei Lavaströmen oft passiert, wenn sie
durch Erosion „angeschnitten“ werden. Der Name Alte Burg lässt
sich auf Ringwälle zurückführen, die auf dem Plateau oberhalb der
Felsen zu finden sind.
Foto 27: Kerstin
Bär
September
2021
Bergwerksteich
westlich Nidda - Bad Salzhausen (Vogelsberg)
Der
sogenannte Bergwerksteich liegt zwischen den Niddaer Stadtteilen Bad
Salzhausen und Geiß-Nidda im südwestliche Vogelsberg. Hier wurde um
1810 unter Tage Braunkohle entdeckt und bald darauf abgebaut, um sie
zum Salzsieden zu nutzen. Durch die damals gefundenen Blätter war
die Lokalität früher unter Paläontologen sehr bekannt. Eine große
Zahl verschiedener Pflanzen aus dem Miozän konnte hier nachgewiesen
werden, darunter Palmen und verschiedene immergrüne Laubgewächse.
Ein Anhaltspunkt für die Entstehung der Lagerstätte ist, dass auch
große Mengen von Früchten der Wassernuss gefunden wurden. Vor 15
Millionen Jahren kann hier demnach schon einmal ein See gewesen sein.
In einem Vulkangebiet wäre eine mögliche Ursache, dass hier ein
Maar lag, also ein durch den Kontakt von Magma mit Wasser
entstandener Sprengtrichter. Wenn sich Maare nach Ende der
vulkanischen Aktivität mit Wasser füllen, können sich darin
Ablagerungen bilden, die die Lebewelt der jeweiligen Zeit
konservieren.
Foto 28: Kerstin
Bär
August
2025
Nordöstliche
Wand im Steinbruch Michelnau (Vogelsberg)
Über
den Steinbruch Michelnau im Vogelsberg gäbe es viel zu schreiben,
zumal er neben der Geologie auch noch eine interessante
Abbaugeschichte und seine heutige naturnahe Entwicklung zu bieten
hat. Wenn man sich auf die Geologie konzentrieren möchte, ist es
sicher besonders bemerkenswert, dass hier durch einen Schlackenvulkan
ein relativ mächtiges und weitgehend homogenes Gestein gebildet
wurde. Bomben und Lapilli, lassen mit ihrem hohen Anteil an
Blasenhohl-räumen auch nach 15 Millionen Jahren noch erkennen, dass
hier ein hoher Gas-gehalt in der Schmelze gewesen sein muss. Heiße
Gase führten zur Umwandlung und Bildung von Mineralen. Dadurch
verfestigte sich das Gestein und es entstand unter Beteiligung von
Sauerstoff auch Hämatit, das dem Gestein seine rötliche Farbe gibt.
Eine Rekonstruktion der Form des Vulkans und der Lage des Schlots
(oder der Schlote, falls es mehrere waren) ist bisher nicht möglich.
Anhaltspunkte liefen die im Steinbruch erkennbaren unterschiedlichen
Richtungen des Einfallens von Schichten.
Foto 29: Kerstin
Bär
Mai
2026
Stein
Büdingen – Basalt mit Sandstein-Xenolithen (Vogelsberg)
Die
Felsgruppe des Wilden Steins liegt oberhalb der Altstadt von Büdingen
südlich des geschlossenen Vulkangebietes Vogelsberg. Die Person, die
auf den Felsen steht, gibt einen Maßstab. Der Basalt ist umgeben von
Einheiten des Buntsand-steins, die hier von der aufsteigenden
basaltischen Schmelze durchschlagen wurden. Die Säulen mancher
Blöcke lassen eine sogenannte Meilerstellung erkennen, wie sie
typisch für Abkühlung von Schmelze in einem Lavasee ist. Der Wilde
Stein hat teilweise große weiße Bruchstücke von Sandstein im
Basalt (im Bild ganz rechts im oberen Block). Der ursprünglich
rötliche Sandstein ist entfärbt und zum Teil angeschmolzen, so dass
ein Gestein entstanden ist, das hier vor 200 Jahren erstmals
beschrieben und mit der Bezeichnung Buchit belegt wurde. Diese
thermische Veränderung gab auch einen Beleg für die „heiße“,
also vulkanische Entstehung von Basalt, die während des sog.
Basaltstreits noch umstritten war.
Foto 30: Kerstin
Bär
Juni
2024
Blockmeer
am Schafstein westlich Wüstensachsen (Rhön)
Das
Blockmeer am Schafstein ist die wohl eindrucksvollste Bildung dieser
Art in der Rhön und wurde als nationales Geotop ausgezeichnet.
Blockhalden oder die größeren Blockmeere werden auf die Abtragung
während der letzten Kaltzeiten zurückgeführt. Bei fehlender
Waldbedeckung war die Erosion stärker als in warmen Phasen. Von den
Hängen und Kuppen wurde viel Feinmaterial von abfließendem Wasser
mitgerissen. Zurück blieben die größeren Blöcke. Dort, wo die
Böcke nicht kantig, sondern eher rund sind, kann über eine
mehrphasige Entstehung unter verschiedenen klimatischen Bedingungen
nachgedacht werden. Möglicherweise hat dort schon eine vorausgehende
(feucht-)warme Zeit Beiträge zur Entstehung der Blockhalde
geleistet. Denn runde Blöcke entstehen vorrangig bei chemischer
Verwitterung, wenn Basalt von den Klüften her zersetzt wird und von
ursprünglich kantigen Blöcken nur rundliche Kerne als Relikte im
Gesteinszersatz zurückbleiben.